Wilkommen zu meinem ersten deutschen Eintrag auf dem Blog. Warum Sprachenwechsel? Weil die Vorträge ja eher schon auf Deutsch und/oder Englisch waren und weil die Sprache mir einfach Spaß macht:)

Ja, ich war zwischen 26 und 30 Dezember 2023 in dem Chaos Community Congress in Hamburg und ich muss sagen, dass es groß-, und einzigartig war. Heute ist eigentlich der 30 Dezember und ich bin im Zug nach Zürich, um Silvester mit meinen Freunden feiern zu können. So verpasse ich leider den letzten Tag des Kongresses aber die erste 3 Tage waren auch schon mal sehr spannend und voll. Es war wirklich sehr sehr gut und deswegen wollte ich frisch diesen Text auffassen, um kurz zu erzählen was da gab und über meine Top 5 Talks, die auf dem Kongress 37C3 waren.

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Was ist aber dieses Chaos Community Congress und was passiert da so? Das ist ein Kongress (wow), das von einem anderen CCC, der Chaos Computer Club organisiert wird. Das ist die größte europäische Hacker-vereinigung, zumindest nachdem, was auf deren Webseite steht. Aber ich glaube das stimmt auch so. Ich habe versucht, so grob abzuschätzen, wie viele Leute auf dem Kongress waren. Meine erste Vermutung war mindestens 2 tausend Menschen aber habe mir danach noch Gedanken gemacht und die Zahl muss 4-5 tausend sein, mindestens. Das ist also ein riesen-Kongress (oder vielleicht normal, keine Ahnung, wie groß die Kongresse normallerweise sind).

Ich würde den Kongress in 2 Blöcken teilen: einmal die Vorträge und einmal die sogenannte “Assembly’s”. Aber davor will ich kurz die organisatorische Sachen beschreiben. Der ganze Kongress ist mithilfe von Helfer:innen gebaut, die sogenannte ‘Engel’s, die auch einen Hub haben, der sogenannte ‘Himmel’. Das sind eigentlich Leute, die sich normal, wie alle andere, Ticket gekauft haben und freiwillig arbeiten. Und wenn man Bock hat, kann man mitmachen. Ich habe tatsächlich auch mitgemacht und war 3 mal Kamera und Video-mixer Engel. Das macht schon sehr Spaß aber ich habe mich dazu entschieden, nach dem 2. Tag nicht mehr weiterzumachen, da es schon sehr schwer ist, gleichzeitig mit irgendetwas anderes zu beschäftigen und den Talk zuzuhören, und ich wollte mich eher auf den Talk konzentrieren.

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Und es gibt verschiedene Typen von Engels. Bar, Logistics, bottles, Signal, CERT und noch viele andere. Für manche (eigentlich meist viele) braucht man eine Unterweisung. Nach der Unterweisung wird man als diesen Engeltyp auf der Engel-Webseite freigeschaltet und kann bequem für sich selber Schichte buchen.

Für die Kommunikation im Haus benutzen sie die sogenannte DECT. Das kennt eigentlich alle aber nicht unter diesem Namen. DECT bedeutet ‘Digital enhanced cordless telecommunications’, also Handy eigentlich, aber nicht normale Handys die alle mit sich haben, sondern die gute alte Haus-telephone. Das kann man jetzt günstig kaufen, da ja keiner mehr sie benutzt und zum Kongress mitbringen und sich registrieren lassen. Es wird dann eine 4-Stellige Nummer gegeben und wenn man irgendjemanden erreichen will, ist das die Lösung. Sehr schlau.

Noch eine Sache, die mir sehr gefallen ist, ist die ganze Struktur. Weil alle Engels Nerds waren und Technik und Programmieren in generell lieben, sahen alles sehr schön aus. z.B. die Info-Slides, die vor und nach dem Talk gezeigt werden, waren sehr interessant. Es gab einmal die Seite mit allen DECT-infos, ob die 2G, 3G und 4G noch funktioniert(3g meistens nicht), wie viele Nutzer den DECT benutzen usw. So ähnlich war auch eine Info-Seite mit Temperaturen von allen Räumen. Ich meine, ja klar, braucht man eigentlich dieses Info?, nein. Aber das ist immer noch sehr interessant anzuschauen, nach meiner Meinung.

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Wie war aber das ganze aufgebaut? Der Kongress fand wie oben steht in Congress Center Hamburg statt. Das ist ein sehr großes Gebäude mit 4 Ebenen und fast alles war voll. Auf der Eingang-Ebene befinden sich die Assemblies. Das sind kleine Gruppen, die sich irgendwie mit Computern, Programmierung, Löten oder anderweitig beschäftigen, also zum Größtenteils. Es gibt aber auf jeden Fall noch andere Leute. z.B. was mir direkt einfällt ist: es gab eine Lock-Picking Ecke. Jemand hat super viele Schlösser und geeignete Werkzeuge mitgebracht, damit die Kongressteilnehmer:innen selber versuchen können, die Schlösser ohne Schlüssel aufzumachen. Es gab Vereinigungen aus anderen Städten, Kunst-Projekte, Sticker-austausch, Löt-Stationen, Bars und viel mehr. Es war eigentlich echt verrückt. Ich habe mich irgendwie nach und vor Vorträgen immer wieder zurück in diesem Bereich gefunden.

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Assembly-Bereich

In den oberen Etagen gab es viele Säle, nummeriert von A bis H und der Saal 1 und Z. Die Haupt 3 Säle waren Saal 1, G und Z. Die Kapazitäten von Sälen waren 3000, 1200 und 900 in der Reihenfolge. Die Zahlen sind der eigentliche Grund, warum ich meine Abschätzung vergrößert habe. In diesen 3 Sälen waren immer von halb 11 bis 12 Uhr abends Vorträge, gleichzeitig. Meistens war das nicht so ein Problem, da mich sowieso einer von 3 am meistens interessiert habe. Aber andernfalls wäre es auch kein Problem, da alle Vorträge sowieso gestreamt und dann auf YouTube hochgeladen werden.

Das war eigentlich mein Einstieg zum CCC und dieses ganze Community. Eines Tages hatte ich im YouTube den Vorschlag: “Traue keinem Scan, den du selbst nicht gefälscht hast” gesehen und dachte mir: ‘ja, das klingt sehr interessant, lass mich schauen’, und es war wirklich gut, richtig richtig gut. Dabei geht es um einen Bug in Xerox-Scanners seit langem, die angeblich die gescannte Zahlen verändern. Der Sprecher David Kriesel ist ein Informatiker und kennt sein Thema sehr gut. Und vielleicht sollte ich auch noch erwähnt haben, dass ich liebe, mir einfach irgendwelche Vorträge anzuschauen. Egal was vom Thema, ich würde den Vortrag sehen, wenn die Präsentation gut und der Vortrag einigermaßen fließend ist.

Also dann habe ich mich tiefer in den Vorträgen eingetaucht. Ich habe als nächstes “Pünktlichkeit ist ein Zier” vom Herrn Kriesel angeschaut. Dabei hat er über ein Jahr lang die Verspätungs-Ausfälle-Daten für den Fernverkehr von der Deutschen Bahn eingespeichert und anschließend eine Datenanalyse durchgeführt. Es war wie zuvor sehr interessant. Ich mag die beide Vorträge so viel, dass ich sie zwischendurch fast auswendig kenne, kein Witz…

Es gibt aber nicht nur die Informatik und Technik Vorträge, sondern auch sehr viele politische und andere Themen. Apropos andere Themen, der Kongress gliederte sich in 7 Hauptthemen:

  • Sustainability & Climate Justice
  • Hardware & Making
  • Art & Beauty
  • Ethics & politics & society
  • Entertainment
  • Science
  • Security

–Ich glaube, dass ich das ganze doch nicht in einem Text erfassen kann. Deswegen glaube ich, dass es eine gute Idee ist, meine Top5 in einem anderen Post zu schreiben. Ich will die Vorträge nicht kurz erwähnen, sondern bisschen tiefer eingehen, deswegen —

Von diesen allen 7 Themen habe ich über 3 Tage echt viele Vorträge angeschaut. Die Zahl liegt so irgendwo zwischen 20-25. Es gaben einige wirklich interessante aber auch doch einige nicht so viele interessante. Aber was ich im Kongress hauptsächlich gelernt habe, oder besser gesagt, was mir “bekannter” geworden ist, wobei ich mehr darauf aufpassen soll, ist diesen Punkt:

Das war so ein witziger Begriff für mich. Es gibt in der Türkei viel mehr “wichtigere” oder grundlegende Probleme, dass der Datenschutz noch weiter unten auf der Liste steht. Das sollte aber nicht so sein. Wir sind immer online; auf den Social-Media Kanäle, in Mails… Im Grunde gesehen einfach das Handy mitzuschleppen ist das Online-Sein eigentlich. Das sind alle Daten, die man zur digitalen Welt einfach so abgibt. Und wenn diese Daten doch in falschen Händen landen würden, bekommt man eigentliche Probleme. Also was man auf den News sieht oder liest, dass so und so gehackt wurden und ihre Daten geleakt wurden, ist kein Spaß. Die Gesundheitsakten, oder National Security number sind echt wichtige Daten.

Und ich habe das auch in meinem letzten Post erwähnt, dass die Social Media mir gar nicht mehr Spaß macht. Wir nehmen es jetzt einfach an und werden gar nicht mal überrascht, wenn uns auf Instagram irgendwelche Werbung angezeigt wird, was man vor 5 Minuten darüber gesprochen hat. Ich habe einen Vortrag gesehen, der damals auf dem Kongress war. Dabei hat jmd einen neuen Amazon Konto erstellt und 1 Jahr lang Sachen gekauft. Nach einem Jahr hat diese Person an Amazon gefragt: “Was für Daten habt ihr über mich?”. Das kann man machen und heißt das Informationfreiheitsgesetz. Es kam dann raus, dass Amazon alles in einem Excel Dokument gespeichert hat, mit 15 Millionen Zeilen(wenn ich mich nicht irre, war aber eine extreme Zahl) und 50 Spalten. Also ich weiß es nicht wie ihr das findet, aber das geht mir über die Toleranzschwelle. Und das ist ein Konto auf Amazon nur seit einem Jahr. Wenn man danach Gedanken macht, was Instagram fürs Daten hat, dann wird’s schlimmer.

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Kurz zusammenzufassen, ich bin sehr froh, dass ich dabei sein konnte. Es hat echt viel Spaß gemacht. Ich würde gerne auch nächstes Jahr hinfahren und sogar als Assembly, also mit irgendwelchen Löt-Projekten. Ich bin auf jeden Fall offen für Vorschläge und Zusammenarbeit. Das wars dann glaub ich. Es ist mein innerlichsten Wunsch, dich beim nächsten Text sehen zu dürfen.

Einen guten Rutsch!